Samstag, 24. Mai 2008

Schule als "Ort der Muße"

21.05.2008, Gregor Hochreiter
In welcher Atmosphäre, mit welchem Anspruch soll das Lernen überhaupt stattfinden? In den letzten Jahren setzte sich die Vorstellung durch, die Schule müsse die Kinder auf das Leben vorbereiten und ihnen die - immer zahlreich werdenden - Werkzeuge für das weitere Leben mitgeben. Diese technokratische Vorstellung steht der klassischen Auffassung von Schule als einem "Ort der Muße" diametral entgegen. Eine prägnante Charakterisierung dieser klassischen Auffassung findet sich bei Josef Pieper:

"Schule" verstanden in dem ganz besonderen, ursprünglichen Sinn dieses Wortes scholé, welches so viel bedeutet wie ein Ort der Muße. Das heißt: inmitten der menschlichen Gesellschaft muß ein Raum freigehalten werden, in welchem die Erfordernisse der Notdurftstillung und der Existenzsicherung schweigen; ein Raum, der abgeschirmt ist gegen die Zwecksetzungen und Dienstbarkeiten der Praxis, und in dessen Hegung Lehren und Lernen wie überhaupt das Sich-Kümmern um "nichts sonst als die Wahrheit" unbehelligt geschehen kann." (Quelle: Josef Pieper: Scholastik - Gestalten und Probleme der mittelalterlichen Philosophie, 1978 [1960].)

Keine Kommentare: